05.12.2022

Endgültiges Aus für rational

Die rational einbauküchen solutions GmbH aus Melle musste ihren Geschäftsbetrieb Anfang Dezember 2022 endgültig einstellen. Es konnte kein Investor gefunden werden, der das Unternehmen aus der Insolvenz übernehmen wollte.

Auch der Showroom der rational einbauküchen solutions GmbH in Melle bleibt geschlossen. Das Unternehmen hat den Geschäftsbetrieb eingestellt. Foto: Biermann

Die Geschäftsführung des Küchenmöbelherstellers hatte im September 2022 einen Insolvenzantrag gestellt. Grund hierfür war laut Insolvenzverwalter ein vollständiger Produktionsstillstand aufgrund eines lokalen Stromausfalles, der nach Problemen mit der Notstromversorgung zu einem irreparablen IT-Schaden geführt hat. Dabei wurde die selbstentwickelte Steuerungssoftware so erheblich beschädigt, dass die von Melle systemseitig gesteuerten Produktionsprozesse in Italien dauerhaft nicht mehr vorgenommen werden konnten. Das Amtsgericht Osnabrück ordnete daraufhin die vorläufige Insolvenzverwaltung an und bestellte Stefan Meyer von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Im PLUTA Sanierungsteam rational arbeitet zudem u.a. auch Rechtsanwalt Dr. André Wehner.
 
Drei konkretere Gespräche
Das IT-Problem konnte aus technischen, zeitlichen, aber auch wirtschaftlichen Gründen nicht gelöst werden. Die Verantwortlichen suchten daher nach einem Investor, der unter der Marke „rational“ Küchen auf Basis der vorhandenen Küchenprogramme selber produziert und vertreibt. Es wurden mehr als 60 potenzielle Interessenten angesprochen. Mit drei Unternehmen wurden nach Vereinbarung von Vertraulichkeit (NDA) auch erste Verhandlungen geführt. Letztlich war aber kein Interessent bereit, den traditionsreichen Küchenhersteller in dieser vorgefundenen Situation zu übernehmen. „Eine Fortführung und Sanierung des Geschäftsbetriebes ist ohne frisches Kapital jedoch nicht möglich bzw. betriebswirtschaftlich und insolvenzrechtlich nicht zu verantworten“, erläutert der Insolvenzverwalter. Der Betrieb habe daher stillgelegt werden müssen. Die noch beschäftigten 61 Mitarbeiter wurden im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung über den aktuellen Stand informiert. Ihnen muss gekündigt werden, sobald der Interessenausgleich und der Sozialplan zur Betriebsstilllegung mit dem Betriebsrat abschließend verhandelt worden sind.

Bewerbungstraining für Mitarbeiter
„Die vergangenen Wochen waren für alle Beteiligten nicht einfach. Es gab zahlreiche konstruktive Verhandlungsrunden, aber letztendlich haben die Interessenten kein Angebot abgegeben. Dafür dürfte die sehr ungewöhnliche rational-Ausgangssituation gepaart mit einer bekanntlich schwierigen gesamtkonjunkturellen Lage verantwortlich sein. Das ist sehr bedauerlich für die Arbeitnehmer, die trotz der sehr bescheidenen Perspektiven im Verfahren außerordentlich engagiert bei der Sache waren, wofür ich jedem einzelnen Mitarbeiter sehr dankbar bin“, sagt der Insolvenzverwalter Meyer. Er ergänzt: „Wir hoffen, dass die Mitarbeiter schnell eine neue Stelle finden.“ Um die Mitarbeiter hierbei zu unterstützen, wurde ein Bewerbungstraining im Unternehmen durchgeführt.
 
Das Amtsgericht Osnabrück hat das Insolvenzverfahren am 1. Dezember 2022 eröffnet. Gläubiger können ihre Forderungen nun beim Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Stefan Meyer zur Insolvenztabelle anmelden.

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